Zuletzt aktualisiert: 15. April 2026 · 11 Min. Lesezeit · von saasscout-redaktion
Digitale Personalakte 2026: Was muss rein, welche Software & DSGVO-Pflichten
Digitale Personalakte einführen: Was muss laut BDSG und DSGVO enthalten sein? Welche Software ist DSGVO-konform? Mit Pflicht-Checkliste, Tool-Vergleich und klaren Empfehlungen für KMU. Stand April 2026.
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TL;DR — Digitale Personalakte kurz erklärt: Eine digitale Personalakte speichert alle mitarbeiterbezogenen Dokumente DSGVO-konform. Beste Software für KMU: Personio (vollständig, ab 15 MA) oder Factorial (kostenlos bis 10 MA). Wichtigste Pflicht: AVV mit dem Anbieter abschließen.
Was ist eine digitale Personalakte?
Eine digitale Personalakte ist das elektronische Gegenstück zur klassischen Papierakte im Ordner. Sie enthält alle relevanten Dokumente und Daten eines Mitarbeiters — vom Arbeitsvertrag über Gehaltsabrechnungen bis zu Urlaubsanträgen — und ist per Zugriffsrechte vor unberechtigtem Einsehen geschützt.
Beim Einrichten der eigenen digitalen Personalakte in Personio haben wir die folgende Struktur als Standard konfiguriert: Stammblatt mit Kontaktdaten, Vertragsdokumente (inkl. aller Änderungen), steuerliche Dokumente (verschlüsselt gespeichert), Zeugnisse und Qualifikationsnachweise, Abwesenheitsdokumentation und jährliche Gehaltshistorie. Diese Kategorisierung hat sich in der Praxis bewährt — nichts Wichtiges fehlt, und die Suche dauert Sekunden statt Minuten.
Für Unternehmen mit Papiermappen ist der Wechsel zu einer digitalen Lösung keine Frage des Komforts mehr — seit dem BAG-Beschluss zur Arbeitszeiterfassung (1 ABR 22/21, September 2022) und der DSGVO-Durchsetzung durch die Aufsichtsbehörden steigt das rechtliche Risiko unstrukturierter Datenhaltung messbar.
Was muss in eine digitale Personalakte?
Pflichtbestandteile nach deutschem Recht
Dokumente, die in jede Personalakte gehören:
- Personalstammdaten — Name, Adresse, Geburtsdatum, Einstellungsdatum
- Arbeitsvertrag — Originalvertrag + alle Nachträge und Änderungsvereinbarungen
- Steuerliche Informationen — Steuer-ID, Steuerklasse, Kirchensteuermerkmale (verschlüsselt zu speichern)
- Sozialversicherungsdaten — Sozialversicherungsnummer, Krankenkassenzugehörigkeit
- Abwesenheitsdaten — Dauer von Urlaub, Krankheit, Sonderurlaub (nur Zeitraum, nicht Diagnose!)
- Zeugnisse und Qualifikationsnachweise
- Abmahnungen (falls vorhanden — mit Frist zur Entfernung nach Wohlverhalten)
Was NICHT in die Personalakte darf (§ 26 BDSG, DSGVO Art. 9):
- Diagnosen oder Erkrankungen (nur Abwesenheitsdauer ist zulässig)
- Schwangerschaft (bis zur Meldepflicht durch die Mitarbeiterin)
- Gewerkschaftszugehörigkeit oder politische Überzeugungen
- Religion (außer für Kirchensteuer-Berechnung, getrennt zu verwalten)
- Private Kommunikation oder persönliche Meinungsäußerungen
- Informationen aus Bewerbungsprozessen anderer Kandidaten
Aufbewahrungsfristen im Überblick:
| Dokumententyp | Aufbewahrungsfrist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Arbeitsvertrag, Zeugnisse | bis zu 10 Jahre nach Austritt | §195 BGB analog |
| Gehaltsabrechnungen, Lohnsteuer | 10 Jahre | §147 Abs. 1 AO |
| Sozialversicherungsnachweise | 4 Jahre | §28f SGB IV |
| Arbeitszeitnachweise | 2 Jahre | §16 ArbZG |
| Krankmeldungen (AU-Bescheinigungen) | 3 Jahre | verjährungsrechtlich |
DSGVO-Checkliste für digitale Personalakten
Wer Personalakten digital führt, verarbeitet personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Das bedeutet konkrete Pflichten:
✅ Vor der Einführung:
- Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) prüfen — bei sensiblen Daten (z.B. Gesundheitsdaten) Pflicht
- AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) mit dem Software-Anbieter abschließen — ohne AVV ist der Einsatz rechtswidrig
- Sicherstellen: Daten auf EU-Servern (kein US-Cloud-Anbieter ohne Standard-Datenschutzklauseln)
✅ Bei der Einrichtung:
- Zugriffsrechte granular konfigurieren: nur HR und direkte Vorgesetzte haben Zugriff
- Mitarbeiter nach §26 BDSG informieren (schriftlich, als Teil der Datenschutzerklärung)
- Löschfristen im System hinterlegen (automatische Erinnerung nach Mitarbeiteraustritt)
✅ Im laufenden Betrieb:
- Audit-Log aktivieren: Wer hat wann auf welche Akte zugegriffen?
- Dokumente nur in vorgesehene Kategorien ablegen (keine freie Ablage sensibler Daten)
- Mitarbeiteranfragen auf Dateneinsicht (Art. 15 DSGVO) binnen 30 Tagen beantworten
⚠️ Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein über rechtliche Anforderungen — für konkrete Rechtsberatung einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder Datenschutz hinzuziehen.
Digitale Personalakte Software: Vergleich für KMU
| Tool | Score | Preis | |
|---|---|---|---|
| Top Personio | 9/10 | Angebotsbasiert (Demo erforderlich) | |
| Factorial HR | 8.3/10 | Kostenlos bis 10 MA | |
| kiwiHR | 7.8/10 | Ab €3/MA/Monat | |
| SharePoint / Teams | 4.5/10 | Im Microsoft 365 Abo enthalten |
Warum SharePoint nicht empfohlen wird: Microsoft ist ein US-Anbieter. Auch wenn Microsoft Standard-Datenschutzklauseln anbietet, hat die Nutzung von US-Cloud-Diensten für Personalakten nach Schrems II (EuGH C-311/18) erhöhte Compliance-Anforderungen. Für ein kleines KMU ohne eigene Datenschutzabteilung ist das ein unnötiges Risiko.
Wer Personio zu teuer findet oder noch nicht sicher ist, ob eine vollwertige HR-Plattform nötig ist, findet im Personio Alternativen Vergleich günstigere DSGVO-konforme Optionen — von kostenlos bis €3/MA/Monat.
Wie richtet man eine digitale Personalakte ein?
Ein strukturierter 6-Schritte-Prozess, den wir selbst durchlaufen haben:
Schritt 1 — Software auswählen und AVV unterzeichnen Kriterien: EU-Server, AVV vorhanden, Zugriffsrechte konfigurierbar. Für KMU bis 10 MA: Factorial Free. Für 15+ MA: Personio Demo anfragen.
Schritt 2 — Datenkategorien definieren Welche Dokumente werden gespeichert? Erstellt eine interne Liste der Dokumententypen und ordnet jedem Typ eine Aufbewahrungsfrist und Zugriffsklasse zu.
Schritt 3 — Zugriffsrechte konfigurieren Regel: HR sieht alles, Vorgesetzte sehen die Akte ihrer direkten Mitarbeiter (ohne Gehaltsdetails), Mitarbeiter sehen ihre eigene Akte (ohne interne HR-Notizen).
Schritt 4 — Mitarbeiter nach §26 BDSG informieren Schriftliche Information an alle Mitarbeiter: Welche Daten werden verarbeitet? Zu welchem Zweck? Wer hat Zugriff? Wie lange werden Daten gespeichert? Eine E-Mail mit Eingangsbestätigung reicht — muss aber dokumentiert werden.
Schritt 5 — Papierdokumente digitalisieren Priorität: aktive Mitarbeiter zuerst, ausgeschiedene Mitarbeiter nach Notwendigkeit. Dokumente scannen (300 dpi, PDF/A für Langzeitarchivierung), in die Akte hochladen, Kategorien zuweisen.
Schritt 6 — Löschfristen hinterlegen Bei Personio und Factorial lassen sich Löschfristen pro Mitarbeiter oder Dokumententyp konfigurieren. Bei Austritt: System erinnert automatisch nach der definierten Aufbewahrungsfrist an die fällige Löschung.
Papier vs. Digital: Der ROI in Zahlen
Eine Personalakte in einer Papiermappe zu durchsuchen dauert durchschnittlich 4–8 Minuten. In einer digitalen Akte: unter 10 Sekunden. Bei einem Team mit 15 Mitarbeitern, das täglich im Schnitt dreimal eine Akte konsultiert:
- Papiermappen: 3 × 6 Minuten × 15 MA × 20 Arbeitstage = 54 Stunden/Monat
- Digitale Akte: 3 × 10 Sekunden × 15 MA × 20 Arbeitstage = 2,5 Stunden/Monat
Das ist eine Einsparung von gut 50 Stunden pro Monat — bei einem Stundensatz von €40 sind das €2.000 pro Monat, die eine KMU durch digitale Personalakten einsparen kann. Factorial Free kostet nichts. Personio kostet für 15 MA ca. €150–250/Monat. Der Break-even ist in Wochen erreicht.
Fazit + Empfehlung
Die digitale Personalakte ist nicht mehr optional — DSGVO, BAG-Rechtsprechung und die schiere Effizienzlogik machen sie zur Pflicht für wachsende KMU.
Unsere Empfehlung:
- Bis 10 MA: Factorial Free — kostenlos, EU-Server, AVV inklusive, in zwei Stunden eingerichtet.
- 15–100 MA: Personio — umfassendere Compliance-Architektur, stärkere DATEV-Integration, ausgereiftere Zugriffsrechte.
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FAQ
Was muss in eine digitale Personalakte?
Pflichtbestandteile: Personalstammdaten, Arbeitsvertrag und alle Nachträge, Steuer-ID und Sozialversicherungsnummer (verschlüsselt), Abwesenheitszeiten (nur Dauer, nicht Diagnose). NICHT hinein darf: Diagnosen, Gewerkschaftszugehörigkeit, politische Ansichten, private Kommunikation. Aufbewahrungsfrist: 3–10 Jahre je nach Dokumententyp.
Ist eine digitale Personalakte DSGVO-konform?
Ja, wenn: ein AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) mit dem Softwareanbieter abgeschlossen ist, Daten auf EU-Servern liegen, Zugriffsrechte beschränkt sind und Mitarbeiter nach §26 BDSG informiert wurden. Ohne AVV ist der Einsatz von Cloud-Software für Personalakten rechtswidrig.
Welche Software eignet sich für digitale Personalakten?
Für KMU bis 10 MA: Factorial HR (kostenlos, EU-Server, AVV inklusive). Für Teams ab 15 MA: Personio (vollständige DACH-Lösung). Wichtig: Immer EU-Server und AVV prüfen — kein US-Cloud-Dienst ohne explizite Datenschutzprüfung nutzen.
Wie lange muss eine Personalakte aufbewahrt werden?
Variiert nach Dokumententyp: Arbeitsvertrag und Zeugnisse bis zu 10 Jahre (§195 BGB), Gehaltsabrechnungen 10 Jahre (§147 AO), Arbeitszeitnachweise 2 Jahre (§16 ArbZG). Mit digitaler HR-Software lassen sich diese Fristen automatisch konfigurieren.
Quellen: BDSG §26 (Verarbeitung personenbezogener Daten von Beschäftigten), DSGVO Art. 88, EuGH C-311/18 (Schrems II), Factorial offizielle Datenschutzseite, Personio DSGVO-Dokumentation. Stand April 2026. Dieser Artikel ist kein Ersatz für individuelle Rechtsberatung.
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